Naturerlebnisse Zentralbali

Die weißen Reiher von Petulu

Petulu ist die Heimat von tausenden weissen Reihern, die hier allabendlich widerkehren und sich in den Reisfeldern niederlassen.

Ein längerer Aufenthalt in Ubud hat mich in den bezaubernden Ort Petulu geführt. Mit einem Leihfahrrad, das ich für wenig Geld in der Jalan Bisma ausgeliehen habe, ging es vom Ubud Palast aus Richtung Norden. Ohne Ziel und ohne Karte (aber mit kleiner Hilfe von Google Maps) ging es auf einer anstrengenden Tour andauernd bergauf und bergab, vorbei an Reisterassen und freundlich grüßenden Bauern. Nach einem kurzen Stop an einem Warung (Kiosk) um etwas zu trinken, habe ich von dem Ort erfahren. (Gut wenn man etwas Indonesisch spricht.) Und so habe ich die letzten Kraftreserven mobilisiert und am Nachmittag Petulu erreicht.

Jeden Abend zur Dämmerung fallen tausende von weißen Reihern in das kleine Dörfchen  nördlich von Ubud ein. Dieses Schauspiel wiederholt sich tagtäglich seit dem Jahr 1965. Das Dorf Petulu ist seitdem Heimat von über 15.000 Vögeln, die große Mehrheit von ihnen Reiher. Ein guter Platz um die Reiher zu beobachten und zu fotografieren ist der Tempel “Pura Desa” am nördlichen Ende. Am besten man kommt schon am späten Nachmittag her, da die Reiher tagsüber in der Bergen nach Nahrung suchen.

Mit dem Fahrrad kann man Petulu auch direkt von Ubud aus erreichen. In gemütlichen Tempo ist man in etwa 20 Minuten da.

Hintergrund

Das Jahr 1965 ist ein besonders tragisches Datum der indonesischen Geschichte, denn es war eine Zeit blutiger Massaker. Präsident Soekarno, unterstützt durch die Kommunisten und der Putschist General Soeharto, unterstützt von der CIA, fochten einen brutalen Machtkampf aus. Diesen konnte Soeharto letztendlich gewinnen und er machte sich nach dem Sturz Soekarnos selber zum Präsidenten. Die Kommunistische Partei wurde verboten und es begann eine gnadenlose Jagd auf deren Anhänger. Allein auf Bali wurden über 100.000 Menschen getötet. 

In Petulu fand nach den Unruhen eine Zeremonie statt, zum Gedenken der Ermordeten und zum Schutz der Überlebenden. Kurz danach kamen die Reiher in Tausenden in den Ort. Das besondere dabei ist, das es vorher in der gesamten Region nie Reiher gegeben haben soll. Doch seitdem haben die Vögel hier ihre Heimat gefunden. Die Leute sehen in ihnen die Seelen der Opfer der Massaker.

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